Wie wir ein sinnerfülltes Leben finden

Life Lemonade, Wie wir ein sinnerfülltes Leben finden

Bill Burnett und Dave Evans persönlich gegenüberzusitzen – auch wenn es nur über einen Bildschirm auf der anderen Seite der Erdkugel ist – bleibt jedes Mal etwas Besonderes. Nachdem ich Anfang Jahr die Ausbildung zum «Designing Your Life Coach» gemacht hatte, gehörte ich zu den ersten weltweit, die nun auch als «Designing Meaning» Coach zertifiziert sind. Wie immer war es inspirierend, von den Urvätern des Life Design zu lernen – und ich war einmal mehr beeindruckt von ihrer Erfahrung, ihrer Professionalität und ihren Geschichten.

In ihrem neuen Buch «How To Live a Meaningful Life» erzählen sie von Menschen, die zwar viel erreicht, aber doch nicht alles gefunden haben. Menschen, die sich fragen, ob das schon alles war. Menschen, die nach Erfüllung und Sinn in dem suchen, was sie tun, im Leben, das sie leben.

Ein Satz aus dem Buch lässt mich seither nicht mehr los:
Nicht mehr hineinpacken, sondern mehr rausholen.

Es braucht kein neues oder anderes Leben. Es braucht neue Perspektiven, neue Ideen, eine neue Denkweise.

Das Problem mit «Erfüllung»

Viele von uns jagen einem Ziel nach, das gar nicht erreichbar ist.

Menschen wollen, dass ihr Leben einen Eindruck hinterlässt. Sie suchen nach Erfüllung. Doch Burnett und Evans halten dies für eine Sackgasse. Denn. Du kannst nicht alles werden, was du sein könntest, weil du grösser bist als ein Leben. Damit meinen sie, dass man im Leben nie alles erreicht hat. Dass man es nie «fertig» gelebt hat. Statt dem Streben nach Mehr schlagen sie einen anderen Weg vor: Lebendig sein – hier, jetzt, im Leben, das man bereits hat. Being fully alive.

Zwei Welten, eine Wahl

Im Zentrum des Buches steht eine Sichtweise, die verändert, wie man auf den eigenen Alltag schaut.

Burnett und Evans unterscheiden die Transactional World von der Flow World.

In der Transactional World handeln wir zweckorientiert. Wir lernen für die Note, arbeiten für die Beförderung, leisten für das Ergebnis. Das ist nicht falsch. Aber es ist auch nicht alles. Die meisten Menschen verbringen 98 Prozent ihrer Zeit in dieser transaktionalen Welt. Sie ist notwendig, sie ist wertvoll – und sie ist der Ort, an dem vieles Wichtiges passiert.

Die Flow World ist das Gegenteil: das bewusste Jetzt. Die Welt, die sich in diesem gegenwärtigen Moment entfaltet – das Universum, das buchstäblich unter unseren Füssen, vor unseren Augen geschieht. Der Moment, in dem wir nicht aufs Display starren, sondern den Regenbogen sehen. In dem ein kleiner Teamerfolg wirklich gefeiert wird – statt stillschweigend übergangen.

Das Entscheidende: Es geht nicht darum, eine Welt für die andere aufzugeben. Man kann an zwei Orten gleichzeitig sein – mitten in einem Meeting und trotzdem präsent für den Moment. Es geht darum, den Schalter hin und wieder bewusst umzulegen. Hin und wieder im Jetzt innezuhalten und die vielen kleinen Aspekte davon bewusst wahrzunehmen.

Vier Quellen von Bedeutung

Das Buch benennt vier Bereiche, in denen Sinnhaftigkeit verlässlich entsteht: Wonder (Staunen), Coherency (innere Stimmigkeit), Flow und Community (Gemeinschaft).

Wonder ist mehr als Neugier, es ist eine Haltung. Wonder entsteht, wenn man offen, aufmerksam und neugierig auf die kleinen Momente ist, die das Leben magisch machen. Das Staunen ist immer da. Manchmal braucht es nur den richtigen Blick oder dass man sich fiktiv eine Brille aufsetzt, welche die kleinen Wunder des Alltags sichtbar macht – die «Wonder Glasses», wie Burnett und Evans sie nennen.

Coherency meint innere Stimmigkeit: Ein kohärentes Leben bedeutet, dass die Teile der inneren Welt zusammenpassen, wie die eigene Identität, das Verhältnis zur Arbeit und die grosse Weltsicht. Wenn diese drei Ebenen übereinstimmen, fühlt sich alles echter an. Dieses Gefühl der Ausrichtung ist ein zentrales Element für Sinnhaftigkeit und Zufriedenheit.

Flow kennen viele aus dem Sport oder aus kreativen Momenten. Burnett und Evans erweitern das Konzept: Flow muss weder episch noch dramatisch sein. Mini-Flow-Momente lassen sich überall einbauen, sobald man den eigenen Geist entsprechend trainiert und beginnt, sie wahrzunehmen.

Und Community – im Sinne von formative communities – geht über Netzwerke hinaus: Als Menschen befinden wir uns in einem ständigen Kreislauf von Sein → Tun → Werden. Deshalb ist es entscheidend, Gemeinschaften zu finden, die dieses Werden aktiv in einer Gruppe Gleichgesinnter zu fördern.

Einen Moment länger

Es ist nicht die nächste Beförderung, der nächste Bonus, der nächste Instagram-taugliche Städtetrip, die dem Leben langfristig Sinn verleihen. Es sind die Momente, in denen ein Sonnenuntergang uns den Atem raubt, das Lächeln eines schlafenden Kindes unser Herz jubilieren oder der warme Sonnenstrahl auf der Haut, der unsere Sinne prickeln lässt.

Bernett und Evans laden uns in ihrem Buch ein, uns dem Staunen zu öffnen. Ich erlebe solche Momente des Staunens immer wieder in meinen Coachings. Der Moment, in dem jemand auf einmal ganz still wird, weil die Antwort auf einmal da ist. Der Moment, in dem ein Gesicht aufhellt, weil eine innere Last wegfällt. Der Moment, in dem jemand zu reden beginnt, weil etwas endlich Sinn macht.

Ich nehme die neuen Impulse aus «How To Live a Meaningful Life» mit in meine Coachings und Workshops. Nicht als Konzept. Als gelebte Praxis. Als Inspiration und Tools für Menschen, Teams und Unternehmen, die ihr Leben, ihre Arbeit und ihr Miteinander bewusster gestalten möchten.

Das Buch ist seit Februar 2026 erhältlich – lesen lohnt sich!